GeschichteEntwicklungsgeschichtlicher ÜberblickDer Ortsname Birenbach verweist auf die Beziehungen des Ortes zur Herrschaft Büren, d.h. Wäschenbeuren, deren Schicksal eng mit dem staufischen Herzogtum in Schwaben verknüpft war. Damit ist zugleich auch ein erster, wenn auch recht unbestimmter Hinweis auf die Entstehungszeit gegeben. Zwar deuten geringe archäologische Funde auf keltische Besiedlung hin, aber wahrscheinlich ist der Ort als Siedlungsplatz erst im Hochmittelalter entstanden. Die wenigen - ausschließlich späteren - Schriftzeugnisse bestätigen diese Vermutung, die zusätzlich noch durch die bis ins 19. Jahrhundert bestehenden Herrschaftsverhältnisse, nämlich Klosterbesitz und reichsfreier Adel gestützt wird. Der Name "Bürbach" taucht erstmals 1414 im Zusammenhang der Übertragung von Zinsen und Gefällen des Klosters Lorch an das Kloster Adelberg auf, und dies erlaubt immerhin die Vermutung, dass der Ort bereits in früherer Zeit zur Ausstattung des staufischen Klosters Lorch gehört haben könnte. Ebenso weist die adlige Grundherrschaft der Besitzer des Wäscherschlosses auf staufischen Dienstadel hin und bestätigt damit die angenommene zeitliche Einordnung. Das staufische Herzogtum Schwaben endete 1268 mit dem Tod des letzten Staufers Konradin. Aus der Erbmasse ging eine große Anzahl von mittleren, kleinen und kleinsten Herrschaften hervor, die das Erscheinungsbild des deutschen Südwestens prägten. In unserem Bereich gelang es neben Württemberg auch den Habsburgern, die im Breisgau und in der Gegend um Horb Herrschaftszentren errichtet hatten, einigen Einfluss zu gewinnen. Württemberg konnte sich frühzeitig die Schirmherrschaft über die Klöster Adelberg und Lorch sichern. Güter und Gefälle in Birenbach dienten auch zur Ausstattung des Chorherrenstifts in Göppingen. Der Umstand, dass der Ort unter drei verschiedene Herrschaften aufgeteilt war und zudem niemals eine eigene Pfarrgemeinde bildete, erklärt das Fehlen einer eigentlichen Ortsmitte. Der Ort entwickelte sich zunächst als Siedlungsplatz verschiedener Herrschaften. Entsprechend waren auch die kirchlichen Verhältnisse: Die Untertanen der Grundherrschaft in Wäschenbeuren waren dorthin auch eingepfarrt, die Untertanen von Kloster Adelberg gehörten zur Pfarrei Börtlingen und die des Chorherrenstifts Oberhofen wurden von Bartenbach aus versorgt. Wer heute auf der Bundesstraße 297 von Göppingen nach Lorch fährt, glaubt beim Anblick der 1690-1698 erbauten Wallfahrtskirche den Mittelpunkt des Ortes zu erkennen. Tatsächlich hat sich wohl auch die Siedlung zunächst um die Kirche entwickelt. 1499 weihte der Generalvikar des Bistums Augsburg die erste Kapelle zu Ehren der Allerseligsten Jungfrau Maria. Neben der Mutter Gottes wird auch der Heilige Vitus (Veit) öfters als Patron genannt. In der Ausschmückung der Kirche kommt ihm eine hervorragende Rolle zu; möglicherweise hatte die Kirche über längere Zeit ein Doppelpatrozinium. Die Marien-Wallfahrt selbst dürfte älter sein. Sie ist ein typisches Beispiel für die stark ausgeprägten religiösen Sehnsüchte und Erwartungen am Ausgang des Mittelalters. Ob die Entstehung des Ortes in diesem Zusammenhang erklärt werden kann, ist allerdings recht fraglich; unzweifelhaft dürfte jedoch sein, dass die Wallfahrt und die Kirche die Ansiedlung im Ort verstärkt haben. Die Auseinandersetzungen im Gefolge der Reformation haben dann auch erhebliche Einwirkungen auf die weiteren Geschicke des Ortes gehabt. 1519 vertrieb der Schwäbische Bund den württembergischen Herzog Ulrich aus seinem Land, das dann unter österreichische Verwaltung gestellt wurde. Österreich wurde damit zur führenden Macht im Südwesten. In unserer Gegend hatte es bereits im 15. Jahrhundert seine Stellung erheblich ausbauen können, weil ein Teil des Adels bei Österreich Rückhalt gegenüber Württemberg gesucht hatte und seine Güter diesem zu Lehen aufgetragen hatte. Die Herren von Rechberg-Staufeneck, seit 1328 Inhaber der Herrschaft Wäschenbeuren hatten dies 1465 getan, die Ortsherrschaft von Rechberghausen hatte sich bereits 1366 in österreichische Lehensabhängigkeit begeben. 1534 konnte Herzog Ulrich mit Hilfe des Landgrafen Philipp von Hessen nach dem Sieg über die Österreicher bei Lauffen am Neckar in sein Land zurückkehren. Er führte sofort die Reformation in seinem Herzogtum durch. Das Chorherrenstift Oberhofen in Göppingen wurde aufgelöst, blieb jedoch als Rechtskörper bestehen. Mit seinen Einkünften wurden in der Folgezeit evangelische Pfarreien in Göppingen und anderen Orten ausgestattet. Die Klöster in Lorch und Adelberg traf das gleiche Schicksal, wozu sich der Herzog durch seine Schirmherrschaft berechtigt sah. Die von Kloster Adelberg abhängigen Orte wurden nun evangelisch und somit auch die Bewohner Birenbachs, die auf Adelberger Grundbesitz ansässig waren. Ulrichs Sohn Christoph wurde dann zum eigentlichen Schöpfer des evangelischen Kirchenwesens in Württemberg. Er erließ die Große Kirchenordnung von 1559. Die Klöster wurden zu eigenständigen Ämtern; in den Klostergebäuden wurden Schulen eingerichtet, die zur Vorbereitung auf das Studium an der Universität Tübingen dienen sollten. An ihrer Spitze stand ein evangelischer Abt mit Sitz und Stimme im Stuttgarter Landtag. Der Abt von Adelberg war zugleich einer der vier württembergischen Generalsuperintendenten, die die alljährliche Kirchenvisitation durchführten. Die Adelberger Schule bestand bis 1629; ihr bedeutendster Schüler war der Astronom Johannes Kepler. Da die eng mit Österreich verbundene adlige Herrschaft in Wäschenbeuren katholisch blieb, wurde Birenbach zu einem konfessionell gemischten Ort. Württemberg wollte wohl keine Konflikte mit Österreich; deshalb wurde der von Kloster Lorch für Wäschenbeuren eingesetzte Leutpriester Benedikt Stainer, wahrscheinlich ein gebürtiger Birenbacher, angewiesen, weiterhin Messe im alten Stil zu halten. Als Stainer schließlich 1558 altershalber resignierte, gab Württemberg als Schirmherr für Kloster Lorch das Patronatsrecht an die Freiherrn von Rechberg ab. Damit war entschieden, dass Wäschenbeuren und der dazugehörige Anteil Birenbachs katholisch blieben. Die Bevölkerung selbst war an der Entscheidung nicht beteiligt, weil sie die Konfession des Landes- bzw. Ortsherren zu übernehmen hatte. Das Rittergut in Wäschenbeuren besaß in Birenbach 4 Höfe, 3 Lehen, 2 Häuslein und die Einkünfte der Heiligenpflege, also der kirchlichen Abgaben, aus denen dann die Bauunterhaltung der Kirche und des Mesnerhauses zu bestreiten war. Der Grundbesitz der Heiligenpflege, die sogenannte Lippertwiese, die am Krettenbach auf die Markungsgrenze von Rechberghausen zugeht, ist heute noch im Besitz der katholischen Kirchengemeinde. 1775 wurden die beiden Heiligenpflegen von Birenbach und Wäschenbeuren zusammengelegt, da in Wäschenbeuren fast keine kirchlichen Einkünfte verzeichnet wurden. Birenbach teilte in der Folgezeit das Schicksal der Herrschaft Wäschenbeuren. Nach dem Aussterben der Linie Rechberg-Staufeneck im Jahr 1599 kam der Ort zunächst in den Besitz des kaiserlichen Rats und Reichspfennigmeisters Zacharias Geizkofler. Nach Aussterben des Geschlechtes ging das Rittergut in den Besitz der Freiherrn von Freyberg-Eisenberg und der Grafen und späteren Fürsten von Thurn und Taxis über. Der 30jährige Krieg brachte einen tiefen Einschnitt für die Gemeinde. Der Ort wurde gänzlich zerstört, und von diesem Schlag erholte sich die Gemeinde nur sehr schwer. Immerhin scheint die Wallfahrt nach 1648 wieder zu neuer Blüte gekommen zu sein. Dies fügt sich in das allgemeine Bild jener Zeit, als die katholische Kirche nach der Reformation wieder neues Selbstbewusstsein und Kraft gewinnen konnte. Der Baustil des Barock ist hierfür ein äußerlich sichtbares Zeichen. In diesem Stil wurde dann auch die Wallfahrtskirche in den Jahren 1690-1698 neu errichtet, wobei die auffällige Ähnlichkeit zur Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg die Vermutung nahe legt, dass beide Kirchen auf den gleichen Baumeister zurückgehen. Leider gibt es von der ursprünglichen Ausgestaltung des Inneren keine bildlichen Zeugnisse, so dass wir über das Kircheninnere in seiner authentischen Fassung heute keine gesicherten Erkenntnisse besitzen. Die langsame Erholung der Gemeinde nach dem 30jährigen Krieg wurde durch die kriegerischen Ereignisse in der Zeit Ludwigs XIV. empfindlich gestört. Der Ort wurde 1707 wie auch einige Nachbarorte durch marodierende französische Truppen, die nach der Schlacht von Höchstädt aus Bayern zurückfluteten, schwer geplündert, wobei erneut einige Gebäude abbrannten. Wie klein der Ort damals war, zeigt sich daran, dass die Herrschaft Wäschenbeuren 1759 nur 18 steuerpflichtige Untertanen hatte, von denen nur zwei selbständige Bauern waren und immerhin acht als Tagelöhner ihr Auskommen erwerben mussten, der Rest bewirtschaftete zum Teil in Eigenverantwortung die Güter des Rittergutes. Württemberg hatte sechs Untertanen, von denen zwei Lehensgüter des Stifts Oberhofen bewirtschafteten. Ein Birenbacher unterstand der Herrschaft in Rechberghausen. Insgesamt dürfte der Ort damals weniger als 100 Einwohner gehabt haben. Die französische Revolution und in ihrem Gefolge die zahlreichen Kriege bis zum Wiener Kongress von 1815 veränderten die politische Landschaft im Südwesten Deutschlands grundlegend. Anstelle der vielen kleinen Herrschaften entstanden jetzt die abgerundeten Flächenstaaten Württemberg und Baden sowie die beiden hohenzollerischen Fürstentümer in Hechingen und Sigmaringen. Die kleinen adligen Herrschaften wurden zwischen 1803 und 1806 mediatisiert; d.h. sie verloren ihre reichsunmittelbare Stellung und unterstanden nun einem Landesherrn. Aber auch unter württembergischer Oberhoheit hatten sie als Standesherren zunächst noch erheblichen Einfluss. Neben ihrer ungebrochenen Wirtschaftskraft hatten sie zunächst auch noch die niedere Gerichtsbarkeit inne. Die Verwaltung innerhalb des neuen Königreichs Württemberg wurde ebenfalls modernisiert und effizienter gestaltet. Die alten Klosterämter in Adelberg und Lorch wurden aufgelöst und in bereits bestehende oder neugeschaffene Oberämter eingefügt. Birenbach kam zum Oberamt Göppingen, Wäschenbeuren wurde dem Oberamt Welzheim zugeschlagen. Damit waren beide Orte jetzt endgültig getrennt und Birenbach bildete erstmals eine einheitliche Gemeinde, die nun aber von Börtlingen aus verwaltet wurde; in den Quellen erscheint der Ort als "Weiler" von Börtlingen. Aber allzu wohl scheinen sich die Birenbacher unter der Börtlinger Obhut nicht gefühlt zu haben; denn in mehreren Eingaben an die württembergische Regierung baten sie um die Anerkennung als selbständige Gemeinde. Die Regierung des Donaukreises in Ulm entsprach schließlich dem Wunsch der Bürger, und am 8. Januar 1827 wurde die Trennung Birenbachs von Börtlingen vollzogen. Die in diesem Zusammenhang vom Oberamt Göppingen durchgeführte Erhebung gibt einen interessanten Einblick in die Verhältnisse des jungen Dorfes. Insgesamt hatte die Gemeinde damals 233 Einwohner, von denen 35 das Bürgerrecht besaßen. Dieses gab die Befähigung zur Übernahme öffentlicher Ämter und war an die Entrichtung einer Mindeststeuer geknüpft. Von den 35 Vollbürgem wurden damals 15 als altwürttembergisch bezeichnet; es waren dies die evangelischen Untertanen des ehemaligen Chorherrenstiftes Oberhofen und des Klosters Adelberg. 19 katholische Untertanen (Familien) unterstanden der Gutsherrschaft in Wäschenbeuren. Eine Familie unterstand der Grundherrschaft der Grafen von Degenfeld in Eybach. An den kirchlichen Verhältnissen, zu denen damals auch die Schulzugehörigkeit gehörte, hatte sich noch nichts geändert: Die ehemals adelbergischen Untertanen gehörten weiter zu Börtlingen, die früher dem Chorherrenstift unterstehenden waren Bartenbach zugeordnet, und die Katholiken wurden weiterhin von Wäschenbeuren aus versorgt, wobei einmal wöchentlich in der Wallfahrtskirche Messe gelesen wurde. Erst mehr als 20 Jahre später wurden alle evangelischen Birenbacher von Börtlingen aus betreut; die alten Traditionen wirkten also noch lange nach. Die königlich württembergische Regierung bestätigte 1827 auch die Rechte der adligen Grundherrschaft nochmals ausdrücklich. Ein langsamer Aufschwung kam für die Gemeinde erst mit der Errichtung der Bahnlinie Göppingen - Schwäbisch Gmünd im Jahr 1912.Jetzt war die Anbindung an die Industriezentren gegeben. Die Zahl der Auspendler wuchs, und allmählich veränderte sich die Sozialstruktur der Gemeinde, da die Arbeiterschaft gegenüber den Bauern zahlenmäßig zunahm. Die Einwohnerzahl der Gemeinde stieg von 269 im Jahr 1907 auf 339 im Jahr 1939. Die Wirtschaftskrise zu Beginn der Dreißigerjahre begünstigte auch in Birenbach das Aufkommen des Nationalsozialismus, dem hauptsächlich in bürgerliche Wählerschichten Einbrüche gelangen, während das Zentrum als Vertreter der katholischen Bevölkerung und die Sozialdemokraten sich im wesentlichen behaupten konnten. So erfolgte auch in Birenbach die Gleichschaltung unspektakulär: Der Bürgermeister blieb im Amt, einige Gemeinderäte wurden ersetzt. Von öffentlichem Widerstand ist nichts bekannt. RoutenplanerDie genaue Anreise nach Birenbach können Sie sich mit dem Routenplaner anzeigen bzw. berechnen lassen. Birenbach erlebenIn der Gemeinde Birenbach können Sie so einiges erleben! Deshalb ist unser Veranstaltungskalender stets auf dem neuesten Stand. Weiter zum "Veranstaltungskalender"
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